27. September 2013

Ladies & Gentlemen - Viktorianisch Shoppen

Manchmal gibt es Spiele, die einfach anders sind. Anderes Thema, andere Spielmechanismen. Und "Ladies & Gentlemen" ist so ein Spiel. Das Spiel ist 2013 bei Libellud erschienen und wird in Deutschland über Asmodee vertrieben. Entwickelt wurde es von Loic Lamy, der sich bereits mit dem Spiel "Deadwood" einen Namen in der Spielewelt gemacht hat.
Aber können unbekanntere Mechanismen und Themen auch für bekannten Spielspaß sorgen?


Worum geht es?

In "Ladies & Gentlmen" tauchen die Spieler in das viktorianische England in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Es werden 2-er Teams gebildet, indem ein Spieler die Rolle der Lady und der andere die Rolle des Gentleman übernimmt.
Die Männer müssen tagsüber an der Börse spekulieren, während die Frauen in den edlen Geschäften nach den schönsten Kleidungsstücken und Accessoires Ausschau halten. Abends müssen dann die Gentlemen die Rechnungen der Ladies übernehmen oder nicht (falls nicht genügend Geld da ist). Und am Ende des Spiels wartet ein Ball wo die Lady mit dem elegantesten Outfit die Gewinnerin des Abends ist .

Vielen Dank an Asmodee für das Rezensionsexemplar.

Unboxing



Die Spielschachtel
Die Rückseite 
Die Spielinformationen

Spielmaterial
  • 1 Spielanleitung (deutsch, englisch, franzsöisch, niederländisch)
  • 2 Kurzsspiel-Anleitung (deutsch, englisch, franzsöisch, niederländisch)
  • 5 Tafeln für die Einkaufsstraße inkl. Standfüßen
  • 5 Farbmarker
  • 25 Ladenschilder
  • 75 Garderobenkarten (Kleidung, Accessoires, Schmuck)
  • 20 Dienstmädchen-Karten
  • 20 Atelier-Karten
  • 20 Klatsch-Karten
  • 55 Warenplättchen (Kohle, Baumwolle, Edelsteine, Weizen und Tee sowie Goldbarren als Joker)
  • 5 Zahlenplättchen für die Spielerreihenfolge
  • 48 Banknoten (100, 500 und 1000 Pfund)
  • 15 Kontrakt-Karten
  • 5 Marktwert-Karten

Der Spielinhalt
Die Anleitungen
Detailaufnahme der Spielanleitung
Die Warenplättchen
Diese Plättchen können einzeln verkauft werden (den Preis bestimmt dann die Martkwert-Karte) oder zur Erfüllung von Kontrakten genutzt werden. Es gibt insgesamt sechs Arten von Waren: Kohle, Baumwolle, Edelsteine, Weizen und Tee. Die Goldbarren können als Joker eingesetzt werden.
Leider sind die Grafiken etwas klein geworden. Warum nutzt man nicht den gesamten Platz auf dem Plättchen aus? Wieso der breite weisse Rand?

Zahlenplättchen
Diese Plättchen werden unter die Warenplättchen gemischt und bestimmen im späteren Spielverlauf die Spielerreihenfolge.

Die Banknoten
Die Farbmarker
Die Ladenschilder
Die Ladenschilder zeigen an, in welchem der Geschäfte die Lady einkaufen will. Die Wahl der Geschäfte erfolgt im Geheimen.

Die Einkaufsstraße (Geschäfte) [Vorderseite] 
Die Einkaufsstraße (Börse) [Rückseite]
Die Einkaufsstraße auf den Standfüßen
155 Spielkarten
Die verschiedenen Kartengruppen
Die Kleidungskarten
Die Accessoire-Karten
Die Schmuck-Karten
unterschiedliche Kleider
Mit diesen Karten stellen die Ladies ihr Outfit zusammen, damit sie beim Ball die eleganteste von allen wird. Die Teile werden in den verschiedenen Geschäften erworben.
Auf jeder Karte sieht man den Artikel selbst, den Preis, den Wert in Sternen und den Namen des Designer (falls es einen gibt). Insgesamt gibt es drei verschiedenen Designer, allerdings darf das spätere Outfit nur aus zwei verschiedenen Designern bestehen.

Dienstmädchen-Karten
Jedes Lady erhält zu Spielbeginn ein Dienstmädchen. Weitere Karten können ebenfalls in den Geschäften nachgekauft werden. Die Dienstmädchen-Karten müssen immer geheim gehalten werden.
Die Dienstmädchen geben den Ladys Vorgaben, was sie am besten in den Geschäften kaufen sollen. Zusätzlich hat jedes Dienstmädchen einige Eleganz-Punkte, wenn die entsprerchende Vorgabe erfüllt wurde.
Insgesamt gibt es 20 verschiedene Dienstmädchen mit vielen verschiedenen Vorgaben für die Ladies.

Die Atelier-Karten
Mit diesen Karten entscheiden die Ladies über das Angebot in ihrem Lieblingsgeschäft. Dies können Garderoben- oder Dienstmädchen-Karten sein. Auf jeder Karte steht die Karten-Art und die Anzahl der Karten, die in dem Geschäft angeboten werden.

Die Kontrakt-Karten
Jede Börse hat pro Spielrunde eine diese Kontrakt-Karten ausliegen. Erfüllt ein Gentleman einen Kontrakt erhält er Geld und gegebenenfalls einen Bonus. Der Bonus winkt dem Spieler, der als erstes den Kontrakt erfüllen kann.
Jedes Karte zeigt Art und Anzahl der benötigten Warenplättchen an, die zur Erfüllung notwendig sind.

Die Martkwert-Karten
Jede Runde wird eine neue Martkwert-Karte aufgedeckt. Diese Karte gibt den Wert der einzelnen Waren an.

Die Klatsch-Karten
Die Klatsch-Karten kommen bei späteren Spielen ins Spiel und bilden eine komplexere Variante.
Die Ladies erhalten zu Beginn Karten mit Bedingungen für die Weitergabe der jeweiligen Karten. Jede Lady sollte versuchen diese Karte bis zum Spielende an eine andere Lady loszuwerden. Jede Klatsch-Karte, die eine Lady bei Spielende auf der Hand hat reduziert die Eleganz-Punkte um 1 Punkt.


Spielablauf

Zu Spielbeginn werden die Spieler in zwei Teams aufgeteilt, den Ladies und den Gentlemen. Dann wird sich gegenübergesetzt und die Ladenstraße mit den Geschäften aufgebaut. Pro Team wird ein Geschäft / Börse aufgebaut. Die gesamten anderen Spielmaterialien werden zu Spielbeginn an der Seite aufgebaut.

Der Spielaufbau
Die restlichen Spielmaterialien

Die Ladies erhalten vier Atelierkarten, die Ladenschilder und eine Dienstmädchenkarte.

Ausgangssituation der Ladies
Die Gentleman erhalten ein zufälliges Warenplättchen und 500 Pfund Startkapital.
Zu Rundenbeginn wird der Markt aufgefüllt und die Börse mit Kontrakten bestückt.

Der Markt und die Börse

Eine Partie geht über sechs Runden, von denen jede aus drei Phasen besteht: Vormittag, Nachmittag und Abend. Idealerweise finden die Spielrunden der Ladies und der Gentlemen simultan statt, so dass die jeweilige andere Seite nicht genau mitbekommt, was die bessere Hälfte gerade macht.

Phase 1: Vormittag
Ladies: Jede Lady wählt mit Hilfe der Atelierkarten aus, was in ihrem Geschäft angeboten wird. Dazu wählt sie eine ihrer Atelierkarten aus und legt entsprechend viele Garderoben-Karten in das Geschäft. Danach wählt sie geheim, welches der Geschäfte sie selbst besuchen möchte.

Auswählen des Ladenangebotes


Gentlemen: Jeder Gentleman durchsucht den Markt nach drei Warenplättchen und einem Zahlenplättchen (für die Zugreihenfolge). Jeder Spieler darf diese Aktion mit nur einer Hand auswählen. Einmal ausgewählte Plättchen darf er nicht wieder zurücklegen.

Der Markt


Phase 2: Nachmittag
Ladies: Jede Lady deckt ihr Ladenschild auf. Jetzt darf sie alle Karten des Geschäfts auf die Hand nehmen und sich so viele Teile aussuchen, wie sie möchte. Falls eine weitere Lady das Geschäft betritt wird abwechselnd ausgesucht.

Einkaufen der Ladies

Gentlemen: Jeder Gentleman kann so viele Kontrakte erfüllen, wie er möchte. Solange die entsprechenden Warenplättchen vorhanden sind. Dafür erhält er den entsprechenden Geldbetrag, sowie einen Bonus, falls er der erste Spieler ist, der den Kontrakt erfüllen kann.

Der Gentleman erfüllt als erster den Kontrakt
Der zweite erhält nur noch 800 Pund
Verkauf nach Marktpreisen


Phase 3: Abend
Ladies & Gentlemen: Jede Lady überreicht ihrem Gatten ihre Einkäufe. Der Gentleman kann nun die Einkaufe zurückgehen lassen, 100 Pfund zahlen und die Karte der Lady zurückgehen lassen (für die nächste Runde oder den Preis der Karte bezahlen. Falls die Karten bezahlt wurde, legt die Lady die Karte vor sich ab und ist nun Teil ihres Outfits.

400 Pfund für ein Kleid??

Nach der sechsten Runde ist der Ball und die eleganteste Lady wird ermittelt. Diejenige mit den meisten Eleganz-Punkten in ihrer Garderobe gewinnt mit ihrem Gentleman zusammen.

Beispiel für ein Outfit
Im obigen Beispiel würde die Lady 14 Punkt für ihr Outfit bekommen. Die beiden, zur Seite gelegten, Karten haben nicht den entsprechenden Designer und fließen nicht in die Endwertung mit ein. Außerdem kann jede Lady nur ein Teil pro Kategorie tragen. Wer trägt schon zwei Abendkleider gleichzeitig?


Meine Meinung

"Ladies & Gentlemen" kann durch ein neues Thema begeistern, was allerdings auch einige Spieler verschrecken könnte. Ist halt immer etwas schwierig, die Spieler aus ihrer "Mittelalter-Komfortzone" herauszuholen. Aber bei meinen Spielgruppen ist das meist ganz gut angekommen. Das Spiel an sich ist recht einfach für die einzelnen Parteien, allerdings hat man als "Erklärbär" hier zwei Spiele auf einmal zu erklären, da jede Seite und deren Mechanismen separat erklärt werden müssen. Aber falls man diese Hürde genommen hat, entwickelt sich ein einfaches und eingängiges Spiel. Vielleicht sogar zu einfach und eingängig. Denn auf der Gentlemen-Seite dreht man eigentlich nur ein paar Plättchen um und erfüllt ein paar Aufträge. Der strategische Teil liegt eher bei den Damen. Sie müssen die wichrigen Entscheidungen treffen und am Ende hoffen, dass die Herren genug Geld herangeschafft haben.
Eigentlich soll das Spiel ja auch mit zehn Spielern spielbar sein, aber ich sehe da ein Problem, denn dann müssten sich fünf Herren um den Markt drängen und es wird dann doch sehr eng sein. Ich finde, das Spiel spielt sich am besten mit sechs Spielern. Da hat man noch genügend Platz und Übersicht aber auch schon ein gewisses Maß an Interaktion.
Besonders Spaß hat es uns gemacht die Rollen richtig auszuleben und voll darin aufzugehen. Interesant wird es wenn man aus den bekannten Rollenklischees herausbricht und die Männer den Ladies-Part übernehmen.
Insgesamt ist "Ladies & Gentlemen" ein witziges Spiel, was durch das frische Thema und einfachen Spielablauf punkten kann. Allerdings sollten die Spieler hier kein tiefgängiges Strategiespiel erwarten.

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