11. November 2013

Kashgar - Deckbau mit neuem Kniff

"Dominion", "Ascension", "Quarriors", "Thunderstone" gehören alle zu dem recht neuen und hippen Genre der sog. Deckbauspiele. "Kashgar - Händler der Seidenstrasse" will sich da , mit einem besonderen Kniff, auch einreihen.
Das Spiel stammt aus dem Hause KOSMOS und ist das erste Spiel des Autors Gerhard Hecht.  Bei "Kashgar" handelt es sich um ein Kartenspiel, dessen Hauptmechanismus sich sehr stark an den beliebten Deckbau-Mechanismus bedient. Ich will nicht sagen, dass es ein Deckbau-Spiel durch und durch ist, aber Anleihen sind zu erkennen. Eigentlich baut ihr hier sogar mehrere Decks / Karawanen zusammen, von denen aber immer nur jeweils eine Karte aktiviert werden kann. Für mich bringt es frischen Wind in einen bekannten Mechanismus. Aber dazu später mehr.


Worum geht es?

Die Spieler sind Gewürzhändler und reisen über die Seidenstrasse bis nach Kashgar im Westen Chinas. Dabei benötigt Ihr Karawanen, die die Handelsbeziehungen aufrecht halten und immer neue Personen anwerben. Dadurch werden die Karawanen immer größer und einflussreicher. Wodurch sich der Bestand von Gewürzen, Gold und Mulis. Diese Rohstoffe werden benötigt, um wichtige Aufträge während Eurer Reise zu erfüllen.
Diese Aufträge und einige Personen bringen Siegpunkte ein. Sobald ein Spieler 25 Punkte erreicht hat endet das Spiel und der Spieler mit den meisten Siegpunkten ist der erfolgreichste Händler.

Vielen Dank an KOSMOS für das Testmuster.

Die Spielschachtel
Die Rückseite
Die Spielinformationen

 Spielmaterialien
  • 165 Karten 
    • 13 Karten "Patriarch / Matriarchin"
    • 12 Startkarten
    • 76 Standardkarten
    • 12 Sonderkarten
    • 12 Zusatzkarten "Hauen & Stechen"
    • 40 Auftragskarten
    • 4 Spielertableaus
    • 4 Mulimarker
    • 4 Goldmarker
    • 20 Gewürzmarker (je 4 in 5 Farben)
    • 1 Anleitung in dt. Sprache

Der Spielinhalt
Die Anleitung
Die Spielertableaus
Gold, Gewürze und Mulis
Die verschiedenen Kartendecks

Insgesamt gibt es 48 verschiedene Personenkarten. Natürlich kann ich hier nicht alle vorstellen. Aber ein paar passen sicherlich hier in meinen Blog.

Diese Karten bilden, zusammen mit einer Startkarte, den Start einer Karawane. Es sind auch die einzigen Karten, die eine spielbare Vorder- und Rückseite haben. Denn auf der Rückseite befindet sich die Matriarchin, die ebenfalls einen sehr interessanten Effekt zu bieten hat. 

Die Patriarch / Matriarchin - Karten

Von den Auftragskarten sind immer vier aufgedeckt und verfügbar. Diese geben den Spieler Siegpunkte, falls der Spieler den Auftrag erfüllen kann. 
Es gibt verschiedene Arten von Aufträgen; Spezialaufträge, Kleinaufträge und Großaufträge.

Spezial- und Kleinauftrags-Karten
Großaufträge und weitere Spezialaufträge

Die Startkarten bilden, zusammen mit dem Patriarchen den Ausgangspunkt der Karawane. Von den 12 Startkarten zieht jeder Spieler verdeckt drei Stück und startet damit in das Spiel.

Die Startkarten
weitere Startkarten

Die Spezialkarten sind quasi verbesserte Standardkarten. Meist haben diese Karten einen Punktewert und bessere Aktionsmöglichkeiten. Allerdings ist es auch schwieriger an diese Karten zu erhalten. 

Die Spezialkarten
weitere Spezialkarten

Die Standardkarten bilden das Herzstück des Spiels. Insgesamte gibt es von diesen Karten 88 Stück (die Karten "Hauen & Stechen" bereits mit eingerechnet). 

Die Standardkarten
weitere Standardkarten
noch mehr Standardkarten


Spielablauf

Der Spielablauf wird in der Regel auf einer Doppelseite erklärt und genauso eingängig ist er auch. Zuerst bekommen alle Spieler eine Startkarawane. Diese besteht aus einer drei "Patriarch-Karten" und drei zufällig ausgewählten Startkarten.

Der Spielaufbau
Die Startkarawanen

In die Mitte werden noch vier Auftragskarten aufgedeckt. Alle restlichen Karten werden ebenfalls in der Mitte bereit gelegt.



Zuletzt wird das jeweilige Spielertableau noch mit den Gewürzen, Gold und den Mulis bestückt und schon kann es los gehen.
Das gefüllte Spielertableau

Der Spieler, der am Zug ist, wählt die vorderste Karte einer seiner Karawane und führt einer der folgenden Aktionen aus.
  • Karawanen-Aktion: Karawanen-Aktionen werden durch helle Textfelder angezeigt. Wenn eine Karawanen-Aktion ausgeführt wird, reiht der Spieler die Karte wieder hinten in die Karawane ein und führt den Text in dem Textfeld aus. Falls dabei Kosten entstehen muss er diese natürlich zahlen. Falls mehr "helle" Aktionen möglich sind, muss der Spieler sich für eine entscheiden.
  • Abschied-Aktion: Rote Textfelder zeigen Abschied-Aktionen an. Wenn eine Abschied-Aktion ausgeführt wird, muss die gespielte Karte aus dem Spiel genommen werden.  Auch hier müssen ggf. anfallende Kosten gezahlt werden. Bei mehreren Abschied-Aktionen wird ebenfalls nur eine ausgeführt.
  • Passen: Falls der Spieler keine Aktion nutzen möchte, kann man auch passen und die Karte wieder hinten in die Karawane einreihen. Bei Karten mit einem "!" kann nicht gepasst werden und es muss eine Aktion gewählt werden. 

Im unten angezeigten Beispiel wählt der Spieler die Karawanen-Aktion des Patriarchen und hat die Karte bereits nach hinten geschoben. Diese Aktion sagt an, dass sich der Spieler zwei Karten vom Kartenstapel ziehen darf, eine davon auswählt und hinten in die Karawane einreihen kann. 

Die Karawanen-Aktion des Patriarchen
Die Karawane nach dem ersten Zug

Um Punkte in dem Spiel zu bekommen ist es ganz wichtig Karten in den Karawanen zu haben, die Aufträge erfüllen können. Dann ist es noch wichtig, dass man diese Karten recht schnell erreichen kann. Es ist also sinnvoll solche Karten in "kleinen" Karawanen zu stecken. 
Im unteren Beispiel wählt der Spieler die Karawanen-Aktion des Zimtfürsts und kann dadurch einen der ausliegenden Aufträge erfüllen. 

Einen Auftrag erfüllen
Der Spieler wählt einen Auftrag und zahlt die aufgdruckten Kosten. Zu beachten ist, dass links auf der Karte angezeigt ist, wieviele Mulis der Spieler mindestens besitzen muss. In diesem Beispiel wären es drei Mulis.
Kosten zahlen
Nach und nach wachsen die Karawanen. Es ist sogar möglich durch Karten weitere Karawanen zu gründen. Man ist also nicht auf drei Karawanen beschränkt.
Die Karawanen im weiteren Spielverlauf
Das Spiel endet, wenn ein Spieler insgesamt 25 Punkte erreicht hat. Die Punkte hauptsächlich durch erfüllte Aufträge generiert (Punktezahl oben rechts), aber auch manche Personenkarten können Punkte einbringen. Aber auch Minuspunkte. 
In unteren Beispiel hat der Spieler insgesamt 14 Punkte. 

viele Punkte

Meine Meinung

"Kashgar - Händler der Seidenstrasse" ist ein schlankes, schnell erlernbares Spiel, das bei uns im Moment immer wieder auf den Tisch kommt. Ja, es ähnelt den bekannten Deckbauern in den Grundmechansimen, dennoch ist es eigenständig und bietet etwas neues. Man baut sich halt quasi mehrere Decks zusammen, die dann (im Idealfall) gut harmonieren sollten. Zum Beispiel sollte man ein Deck...ääh Karawane auf die Rohstoffgewinnung spezialisieren, während eine andere Karawane klein gehalten werden sollte, damit man oft an die Händler herankommen kann, die einem Spieler Aufträge erfüllen lassen können.
Mir hat außerdem gut gefallen, dass die Züge immer schnell ablaufen und es wenig Downtime gibt. Denn man kann hier keine oder nur recht kleine Kettenreaktionen hervorrufen. Karte auswählen, Effekt ausführen, nächster Spieler.
Allerdings leidet auch bei diesem Spiel die Interaktion ein wenig. Man baut doch mehr oder weniger alleine vor sich hin. Es gibt zwar einige interaktive Ärgerkarten, aber die sind in den Standardkarten doch recht gut versteckt und kommen manchmal kaum ins Spiel. Ein weiterer Punkt, der mir etwas unübersichtlich vorkam, war die Punktewertung. Bei Spielende ist man ständig am zählen, wieviele Punkte jeder Spieler gerade hat. Da hätte ich mir doch eine Punkteleiste gewünscht, auf der man die Punkte jederzeit einsehen kann. Da sowieso alle Informationen offen liegen.
Trotzalledem hat mir das Spiel sehr gut gefallen, zumal ich ja auch dem Deckbau-Genre recht positiv gegenüber eingestellt bin. Ich finde, dass das Spiel ein schönes, flottes Spielgefühl vermittelt. Nach den meisten meiner Partien folgte direkt eine Revanche.
Aber wer auf der Suche nach viel Interaktion ist, der muss weiter suchen. Dennoch sollten auch Deckbau-Muffel, einen Blick auf "Kashgar" werfen, denn es werden hier einige interessante Mechanismen eingeführt. Schneller Einstieg, einfache Regeln, schneller Spielablauf, positives Spielgefühl mit geringen Ärgerfaktor.

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Kommentare:

  1. In der Tat: ein schönes Spiel, das aufgrund der mangelnden Interaktion manchmal dazu verleitet, dass alle irgendwie gleichzeitig spielen und nicht immer wissen, wer gerade am Zug ist. Die fehlende Siegpunktleiste fehlt tatsächlich, aber irgendwie ahnt man am Schluss doch, wann es dem Ende entgegengeht. - Nur die große Box und der dazugehörige Preis stören mich, da KOSMOS ja auch durchaus ein kleineres Format im Angebot hat.

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  2. Naja, vielleicht passen irgendwann die Erweiterungen noch mit in die Box ;)

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  3. Die Siegpunktleiste ist ein wenig kniffelig. Vergisst man nämlich seinen Punktestand darauf zu markieren, verlassen sich aber die anderen Spieler darauf, könnte es schnell Ärger in der Runde geben. Und für die Pflege der Siegpunktleiste bedarf es schon einige Disziplin

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