21. November 2013

Russian Railroads - Polierte Eisenbahnen

Als ich im Oktober auf der Spiel 13 war, gab es für mich ein lustiges Ereignis. Ich stand an einem Stand und habe auf einen freien Tisch für das Spiel "Trains & Stations" gewartet. Gelangweilt habe ich mich umgesehen und konnte am Nachbarstand das Spiel "Trains" sehen. Weiter rumgeschaut und am Ende des kurzen Quergangs sah ich ein weiteres Eisenbahnspiel: "Russian Railroads". Ob da wohl ein Trend zu erkennen ist? Das bemerkenswerte ist, dass jedes dieser drei Spiele eine komplett andere Spielmechanik hat. "Trains & Stations" ist eher ein Würfelspiel, "Trains" eher ein Kartenspiel und "Russian Railroads" eher ein  Brettspiel. Ach, ich liebe Brettspiele für ihre Vielfalt.
Bereits im letzten Jahr hatte der Verlag Hans im Glück, mit den "Palästen von Carrara",  ein sehr hochkarätiges Spiel im Programm. Manchmal neigen Eisenbahnspiele dazu sehr trocken zu sein. Ich denke da an die 18xx-Reihe. Aber die beiden Autoren Helmut Ohley und Leonhard Orgler haben ein schön klassisches Worker-Placement Spiel geschaffen.


Worum geht es?

Ihr verkörpert in "Russian Railroads" einen russischen Eisenbahnmogul am Ende des 19. Jahrhunderts. Der Zar hat Euch die Aufgabe gegeben, das fortschrittlichste und größte Eisenbahnnetz zu bauen. Während des Spiels errichtet Ihr bis zu drei Eisenbahnstrecken, unter anderem auch die berühmte Transsibirische Eisenbahn.
Es gilt Eure Arbeiter effektiv einzusetzen, die zuerst einfache Gleise errichten und diese im weiteren Spielverlauf immer weiter verbessern. Aber auch die Industrialisierung schreitet im Spiel immer weiter voran und Ihr müsst Fabriken erbauen und fortschrittlichere Eisenbahnen erwerben, die dann auf Euren neu gebauten Strecken verkehren.
Nach jeder Runde folgt eine Wertungsrunde und wer nach einer bestimmten Rundenanzahl die meisten Punkte hat, gewinnt das Spiel.

Vielen Dank an "Hans im Glück" für das Testmuster

Die Spielschachtel
Die Rückseite
Die Spielinformationen

Spielmaterial

  • 1 doppelseitiger Spielplan
  • 4 Spielertableaus
  • 35 Arbeiterfiguren
    • je 8 in den vier Spielerfarben, 2 in türkis, 1 in schwarz
  • 8 Anzeigefiguren
    • je 2 in den vier Spielerfarben
  • 48 Gleise
    • 12x schwarz, 12x grau, 12x braun, 8x natur, 4x weiß
  • 8 Industriemarker
  • 37 Lokomotiven
  • 15 Ingenieure
  • 20 Verdopplerplättchen
  • 18 Münzen
  • 28 ?-Plättchen
  • 4 Aufwerter
  • 4 Kiev-Medaillen
  • 1 Letztrundenplättchen
  • 4 100/200 Punktermarker
  • 4 300/400 Punktemarker
  • 10 Spielendekarten
  • 5 ?-Karten
  • 4 Reihenfolgekarten
  • 4 Startbonuskarten
  • 4 Spielhilfen
  • 1 Anleitung in dt. Sprache

Die Anleitung
Die Anleitung ist hervorragend grafisch und logisch aufbereitet. Da hat sich der Verlag anscheinend echt viele Gedanken gemacht. Klasse! Weiter so!


Der Spielplan ist doppelseitig. Es gibt eine Seite für ein 2-Spieler-Spiel und eine Seite für 3/4-Spieler-Spiel. Dabei werden für das 2er-Spiel einige der Aktionsfelder entfernt. Ich finde es total klasse, wie das grafisch aufbereitet ist. Denn die Felder sind quasi zugenagelt. Dadurch wird das Spiel wieder "enger" und man blockiert sich wieder öfter die Quere. 

Der Spielplan für 2 Spieler
Der Spielplan für 3/4 Spieler

Der Spielplan gliedert sich in mehrere unterschiedliche Bereiche, die unterschiedliche Aktionen für die Spieler bewirken.

Unten ist der Bereich für den Streckenbau. Hier setzen die Spieler ihre Arbeiter ein, um Gleise zu verlegen. Davon gibt es fünf verschiedene, die quasi im Spiel freigeschaltet werden können.

Streckenbau


Dieser Bereich bestimmt die Spielerreihenfolge. Hier können die Spieler Arbeiter auf die ersten beiden Positionen einsetzen. Die Arbeiter sind aber nicht ganz verloren, denn nach dem bestimmen der Spielerreihenfolge können die Arbeiter noch auf verbleibende Aktionsfelder auf dem Spielplan eingesetzt werden.
Außerdem bekommen die Spieler Siegpunkte, wenn sie weiter hinten in der Spielerreihenfolge stehen.

Spielerreihenfolge


In diesem Bereich können die Spieler Lokomotiven, Fabriken, Arbeiter und Industriefortschritt erwerben. Denn was bringen die längsten Strecken, wenn niemand drauf fahren kann.

Lokomotiven / Industrie


Der letzte Bereich ist für die Ingenieure reserviert. Die Hochkant-Felder werden die zukünftigen Ingenieure beherbergen. Die Quer-Felder werden die Rückseite der Ingenieure zeigen. Diese stehen dann allen Spieler zu Verfügung als Aktionsfelder. Und das letzte Feld auf der rechten Seite lässt den Spieler einen Ingenieur erwerben.
Wie das ganze im Spiel ausschaut, werde ich später zeigen.

Ingenieure

Jeder Spieler erhält einen Spielplan, auf dem er Strecken errichtet und die Fabriken aus dem Boden stampft. 
Auch hier ist alles wieder toll illustriert und logisch gestaltet. Anfangs wirkt es allerdings sehr überladen, aber nach einiger Zeit hat man alles kapiert und es erscheint total logisch.
Sogar die Rückseiten sind schön gestaltet.

Die Spielpläne
Rückseite der Spielpläne
Spielplan für den gelben Spieler

Natürlich gibt es auf den Spielertableaus auch unterschiedliche Bereiche.
Der unten angezeigte Abschnitt ist der Beginn Eurer Eisenbahnstrecken und hier könnt Ihr auch Eure Eisenbahnen stationieren, die dann die Strecken befahren.

Bereich für die Eisenbahnen
Bereich für die Eisenbahnstrecken

Im  Industriebereich könnte ihr die Industrialisierungweiter voran bringen. Dazu müsst Ihr Fabriken errichten, die im späteren Spielverlauf einmalige Boni mitsichbringen.
Je weiter die Industrialisierung voranschreitet, desto mehr Punkte erhaltet Ihr pro Wertungsrunde.

Industriebereich

Aber was wäre ein gutes Euro-Game ohne Holzteile und natürlich gibt es auch hier einige. 

Viele Holzteile
Die Arbeiter- und Anzeigefiguren
Detail der Arbeiter

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Arten von Schienen. Ihr beginnt mit den einfachen schwarzen Schienenteile und steigert Euch letztendlich zu den großen weißen Schienen. Die unterschiedlichen Arten werden im Spielverlauf nacheinander freigeschaltet. 

Die Schienenteile..
..von schwarz zu weiß
Die Industriemarker
Die Verdopplerplättchen
Die Münzen














Die Aufwerter
Die sog. Kiev-Marker






















Die Verdoppler-, Kiev, und Aufwerterplättchen bringen den Spielern Verbesserungen, die im Spielverlauf durch die ?-Plättchen ausgewählt werden können.

Extra-Punktekarten
?-Plättchen
?-Plättchten Teil 2

Zum Befahren der Strecken werden natürlich auch Eisenbahnen benötigt. Es wird mit einer einfachen 1er-Lok begonnen. Im Spielverlauf werden nach und nach bessere Eisenbahnen zur Verfügung gestellt. 
Wenn man eine Eisenbahn durch ein Aktionsfeld erwirbt, muss man sich immer die niedrigste Nummer nehmen. Nach einiger Zeit sind diese aufgebraucht und man kann sich dann bessere Loks nehmen. 
Die Zahl der Loks gibt an, wie weit diese auf den Strecken fahren können.

Die neun verschiedenen Eisenbahnen

Die Loks dienen zusätzlich als Fabriken, wenn man diese auf die Rückseite dreht. Dort bringen sie unterschiedliche einmalige Boni, wenn der Industriemarker auf diese gelangt. 

Die Loks / Fabriken 1 - 3
Die Loks / Fabriken 4 - 6
Die Loks / Farbiken 7 - 9 
Die Spielkarten
Die Startbonuskarten
Die Spielereihenfolge-Karten
Die ?-Karten
Die Spielendekarte

Die Ingenieure werden für jedes Spiel unterschiedlich verteilt. Sie gliedern sich in A, B und einen Bonusingenieur, der durch ein ?-Plättchen gekauft werden kann. 

Die Ingeieure
Die A-Ingenieure
Die B-Ingenieure
Die B-Ingenieure Teil 2

Spielablauf

Der Spielablauf ist sehr klassisch für ein Worker-Placement-Spiel. Ihr setzt einen oder mehrere Arbeiter ein und führt sofort die Aktion aus. Natürlich gibt es viele verschiedene Aktionsfelder und Ihr blockiert Euch gerne mal gegenseitig, aber der ist mehr oder weniger der Spielablauf. Der Reiz entsteht natürlich daraus, wo Ihr Eure Arbeiter einsetzen könnt... usw.

Der Spielaufbau

Der Spielplan wird auf die entsprechende Seite gedreht und alle Spielmaterialien (Eisenbahnen, Bonuskarten, Anzeigerfiguren) bereitgelegt.
Jeder Spieler erhält ein Spielertableau in seiner Farbe, fünf Arbeiter, den Industriemarker, eine 1er-Lok und eine Münze (die als Arbeiter-Joker dient).
Zusätzlich bekommt jeder noch die ?-Plättchen, die ggf. später auf dem Spielplan platziert werden können.
Als letztes starten alle mit einer schwarzen Schiene auf dem ersten Feld. 

Der Spielaufbau
Der Spielaufbau für den gelben Spieler
Die Startsituation für den gelben Spieler

Wie gesagt, der Spielablauf an sich ist recht einfach. Wenn ein Spieler am Zug ist, wählt er ein Aktionsfeld und setzt die entsprechende Anzahl an Arbeitern darauf. Dabei ist folgendes zu beachten:
  • Es muss ein freies Aktionsfeld gewählt werden. 
  • Es muss genau die Anzahl der auf dem Feld abgebildeten Arbeiter auf das Feld gestellt werden.
  • Die Arbeiter müssen aus dem persönlichen Vorrat stammen.
  • Die Aktion muss sofort und vollständig ausgeführt werden.
  • Pro Zug darf nur eine Aktion ausgeführt werden. 

Im unteren Beispiel haben die Spieler Ihre Arbeiter in den Streckenbau-Bereich platziert. Für jedes Feld dürfen die Arbeiter die angezeigten Schienen bewegen. 
Eine Besonderheit ist das unterste Feld, denn dort können unbegrenzte viele Arbeiter stehen.

Spielsituation beim Streckenbau

Spielsituation beim Streckenbau Teil 2

Hier hat sich der blaue Spieler eine 1er-Lok gesichert. So bekommen dann die Spieler immer bessere Lokomotiven im Spielverlauf.

Blau erhält eine Lok
Loksituation im späteren Spielverlauf

Loksituation im späteren Spielverlauf Teil 2

Für drei eingesetzte Arbeiter erhält Rot hier eine Lok und eine Fabrik (quasi eine umgedrehte Lok). Diese können dann beide auf den persönlichen Spielplan platziert werden.

Rot erhält eine Lok und eine Fabrik
Nachdem Einsetzen auf den Industriebereich, darf der gelbe Spieler seinen Industriemarker um zwei Felder vorwärts bewegen. 

Gelb darf....
...den Industriemarker...
... um zwei Felder bewegen
Im Spielverlauf entstehen auf der Industrieleiste Lücken, die die Spieler mit den Fabriken füllen müssen, damit sie auf der Leiste weiter voran schreiten können. 

Industrie im späteren Spielverlauf
Jede Runde steht ein Ingenieur zum Kauf zur Verfügung. Die Spieler setzen hier allerdings keine Arbeiter ein, sondern müssen den Ingenieur mit einer Münze kaufen. Falls dieser gekauft wurde steht in dieser Runde kein weiterer zum Verkauf. 

Gelb bezahlt und heuert einen Ingenieur an
Diese gekauften Ingenieure werden an den eigenen Spielplan angelegt und stehen später nur dem Spieler exklusiv zur Verfügung.

Und darf diesen bei sich platzieren....
... und später exklusiv nutzen.
Nach jeder Runde werden die Ingenieure um ein Feld nach rechts geschoben. Dadurch steht dann in jeder Runde wieder ein neuer Facharbeiter zum Kauf. Die fehlenden Ingenieure zeigen quasi  die verbleibende Rundenanzahl an. Wirklich sehr gut gelöst. 

Ingenieure rücken nach

Nachdem jeder Spieler alle seine Arbeiter eingesetzt hat und dann gepasst hat, kommt es zu einer Wertungsrunde. Dabei ist eine kleine Wertungsübersicht sehr praktisch.

Wertungsübersicht

Bei der Wertung werden sich die verschiedenen gebauten Strecken angeschaut und wie weit die dazugehörigen Loks drauf fahren. Oben rechts auf dem Spielertableau steht, wieviel jeder Streckenteil wert ist. Schwarz = 0 Punkte, Weiß = 7 Punkte. Mit einer Verbesserungsaktion kann man die höherpreisigen Streckenteile sogar noch wertvoller machen. 
Zusätzlich kann man auf der Strecke Moskau - Vladivostok noch sogenannte Verdoppler einsetzen, die den Wert der einzelnen Streckenteile sogar noch verdoppeln können. 
Nach den Eisenbahnen/Strecken wird noch nach den Punkten bei der Industrieleiste geschaut. 

Wertungsbeispiel
Aufwerter bei den Strecken 

Industriefortschitt.


Meine Meinung

"Russian Railroads" ist ein Spiel, was eigentlich nichts wirklich neues bringt. Aber das was es macht, dass macht das Spiel richtig, richtig gut. Die Anleitung ist eine Wonne in der Aufmachung, Gliederung und Verständlichkeit. Da hat sich jemand richtig viel Arbeit gemacht. Ich würde mich wünschen, dass andere Verlage dem guten Beispiel folgen.
Die Symbolik des Spiels wirkt auf den ersten Blick ziemlich überfrachtet, aber das ist nicht so. Es ist alles total logisch aufgebaut und nach wenigen Minuten braucht man keine Anleitung mehr, um die verschiedenen Symbole zu verstehen.
Der Spielablauf ist sehr rund und nach einer Runde versteht das Spiel jeder und kann seine Strategie langfristig planen. Es werden Arbeiter eingesetzt, Aktionen ausgeführt und das mit einem ziemlichen Tempo (meiner Erfahrung zu urteilen). Dabei gibt es ziemlich viele Strategien die man verfolgen kann. Geht man auf den Gleisbau? Kümmert man sich um die Industrie? Welche Strecke baue ich aus? Die lange Transsib oder doch eher die Strecke Moskau - Kiev, die viele Punkte einbringen kann. Wie setze ich meine ?-Plättchen ein? Ihr seht: einfacher Spielablauf, aber viele wichtigen Entscheidungen, die auch noch alle irgendwie Punkte einbringen. Man muss also die richtigen Entscheidungen treffen, aber kann man es auch, wenn die Gegenspieler einem die besten Plätze auf dem Spielplan wegnehmen?
Für mich ist "Russian Railroads" ein echtes Brett, auch wenn es ein sehr klassisches und bekanntes Spiel ist. Aber es ist einfach poliert bis es glänzt. Und glänzen tut es.

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