3. Juni 2014

Helios - Sonne, Sonne du musst wandern!

Wenn der Hans-im-Verlag etwas veröffentlicht, dann werden die Vielspieler hellhörig. Die letzten Veröffentlichungen für die Vielspieler kann man durchaus als gelungen bezeichnen. "Die Paläste von Carrara","Brügge" und "Russian Railroads" waren in meinen Augen richtig, richtig gute Spiele. Persönlich hätte ich es gerne gesehen, wenn "Brügge" im letzten Jahr den Kennerspiel-Preis gewonnen hätte. Und das "Russian Railroads" es in diesem Jahr nicht auf die Nominierungsliste geschafft hat, fand ich sehr schade. Aber diesmal möchte ich die aktuelle Neuheit "Helios" vorstellen, passend zum aufkommenden Sommerwetter.


Worum geht es?

In "Helios" dreht sich alles um die Sonne oder eher dreht sich die Sonne um das Spielfeld. Ihr seid der Grundstein für eine neue Zivilisation, erschafft neue Welten auf denen Rohstoffe wachsen, baut Tempel und Gebäude und lasst darum den gelben Feuerball kreisen.
Und wenn Ihr die Gehilfen mit Mana zufrieden stellt, dann helfen Sie Euch und bringen am Ende viele Siegpunkte ein.
Der Spieler, der am Ende die meisten Siegpunkte hat, ist der erfolgreichste Hohepriester.


Die Spielschachtel
Die Rückseite
Die Spielinformationen

Spielmaterial
  • 4 Spielertableaus
  • 4 Stadttableaus
  • 4 Sonnenscheiben
  • 4 Sonnenmarker
  • 35 Häuser
  • 70 Rohstoffsteine
    • je 14 grüne, braune, graue, schwarze, blaue
  • 30 roten Manasteine
  • 104 Siegpunktschips
    • 32x 1 Punkt, 28x 5 Punkte, 32x 10 Punkte und 12x 30 Punkte
  • 48 Aktionsplättchen (3 verschiedene Symbole in 4 Farben)
  • 8 Sonderplättchen (
    • je 2x 4 verschiedene Sorten
  • 36 Landplättchen
    • je 8x grün, braun und grau
    • je 6x blau und schwarz 
  • 8 Personenplättchen
  • 2 Startspielerdrachen
  • 4 bedruckte Säckchen
  • 1 Spielanleitung in deutscher Sprache

Das Spielmaterial
Die Anleitung
Die Spielpläne 
Die gestalteten Rückseiten
Ähnlich wie bei "Russian Railroads" hat sich Hans im Glück hier richtig Mühe mit der grafischen Gestaltung gegeben. Die Rückseiten der Spielpläne sind mit einem tollen Artwork verziert und auch die Stoffbeutel für die Siegpunkte sind nochmals bedruckt.

Das Spielertableau
Die Sonnenleiste
Die leeren Landflächen
Das Stadttableau
Die Siegpunktbeutel
Jeder Spieler erhält eine Stoffsäckchen. In diesen werden im Spielerverlauf die Siegpunkte hineingelegt.

Der Startspielerdrache
Dem Spiel liegen zwei Startspielerdrachen bei. Warum? Keine Ahnung, aber in der Anleitung steht, dass man einen dieser Drachen ins Spieleregal stellen soll. Quasi als Dekoobjekt. Ok?!?

Die Manasteine
Bei den Manasteinen scheint es ein paar Probleme oder Änderungen gegeben haben. Denn diese Steine unterscheiden sich von denen, die in der Anleitung abgedruckt sind. Diese hier sind größer und passen irgendwie nicht so richtig zu dem ganzen anderen Spielmaterial.
Es soll wohl eine neue Verordnung geben, die verhindert hat, dass die ursprünglichen Steine in das Spiel gelangen.

Die Siegpunktchips
Die Häuser
Die Sonnenscheiben und -marker
Die Rohstoffwürfel
Die Landschaftsplättchen
Die Sonderplättchen
Die Aktionsplättchen
Von den Aktionsplättchen gibt es drei verschiedene Arten; "Tempel / Gebäude errichten", "Sonne bewegen" und "Landschaft erschaffen"

Die Personenplättchen
Die Nachtseite
Die Tagseite
Die Spielerhilfen
Detail der Spielerhilfe
Leider sind die Spielerhilfe nur auf dünnen Papier aufgedruckt. Da wäre mir ein etwas stärkeres Material lieber gewesen.


Spielablauf

Jeder Spieler erhält zu Spielbeginn ein eigenes Spielertableau, einen Stadtplan und ein Manastein. Auf dem Spielertableau wird der Sonnenmarker auf die Position 2 der Sonnenleiste gestellt und die Sonnenscheibe beginnt auf der Startposition.

Der Spielaufbau
Das Spielertableau bei Spielstart

Danach wird noch eine gewählte Landschaft mit einem Rohstoff in die Mitte des Planes gelegt.

Die Aktionsplättchen bei Spielstart
Die Aktionsplättchen werden, nach Art sortiert, in die Tischmitte gelegt und jeweils sechs Plättchen aufgedeckt.
Die Rohstoffstapel bei Spielstart
Von den fünf Landplättchen werden vier von jeder Sorte in einen separaten Stapel sortiert und mit jeweils einen Rohstoff bestückt. Die restlichen werden gemischt und bilden einen gemischten Stapel. 

Ein Spiel besteht aus einer bestimmten Anzahl von Durchgängen. Die Durchgänge bestehen aus jeweils drei verschiedenen Phasen. 
Das klingt jetzt erstmal verwirrend, aber eigentlich ist alles ganz einfach.
Die erste Phase besteht aus den Aktionsrunden. In dieser Phase nehmen sich die Spieler eins der untersten Aktionsplättchen und führen sofort die entsprechende Aktion aus.

Im unteren Beispiel hat sich der Spieler für die Aktion "Landschaft erschaffen" entschieden und darf ein Landschaftsplättchen auf seinem Spielplan platzieren. Dieses muss immer angrenzend an die bestehen Landmasse geschehen. 
Danach darf der nächste Spieler sich ebenfalls ein Aktionsplättchen nehmen und die entsprechende Aktion durchführen.

Die erste Aktion
Als zweite Aktions hat sich der Spieler für die Aktion "Sonne bewegen" entschieden. Dabei darf er die Sonnenscheibe um so viele Felder bewegen, wie die Sonnenleiste vorgibt.

Die Sonne in Bewegung
Als dritte Aktion hat sich der Spieler nun nochmals für die Erschaffung einer neuen Landschaft entschieden.

Die zweite erschaffene Landschaft
Als letzte Aktion entscheidet sich der Spieler für die "Tempel / Gebäude erschaffen" - Aktion. Dafür muss er, für den ersten Tempel, einen beliebigen Rohstoff abgeben und darf dann einen Tempel auf dem leeren Feld errichten.
Der Tempel wird errichtet
Für jeden Tempel erhält dann der Spieler Mana. Für den ersten Tempel einen Manastein, für den zweiten zwei usw. Allerdings steigen ebenfalls die Kosten.

Die steigenden Baukosten
Nach diesen vier Aktionen würde das Spiel in die zweite Phase übergehen. In der zweiten Phase kann man die ausliegenden Personenplättchen für Mana erwerben. Diese Personen bringen verschiedenste Verbesserungen mitsich. 

Die ausliegenden Personenplättchen
In unserem Beispiel kauft sich der Spieler den Architekten für zwei Manasteine. 

Der Architekt wird gekauft
Allerdings sind die Personen erstmal noch inaktiv und müssen in der Personenphase noch aktiviert werden. Dafür muss man die unten aufgedruckten Rohstoffe abgeben, damit der Effekt der Person aktiv ist. 

Ein inaktiver Architekt
Sobald alle Spieler in der Personenphase gepasst haben, findet die letzte Phase statt. Das Auffüllen der Rohstoffe.
Denn nachdem ein Landschaftsplättchen mit dem entsprechenden Rohstoff auf einem Spielertableau gelegt wurde, wird im Vorrat kein neues umgedreht. Dies geschieht nach dem Durchgang. Also kann man quasi jede Landschaftsart nur einmal pro Durchgang bauen.

Die Landschaftsplättchen nach einem Durchgang
Danach beginnt ein neuer Durchgang. In einem 4-Spieler-Spiel endet die Partie nach dem 4. Durchgang.

Da ich in einer Runde nicht alle Aktionen vorstellen konnte, will ich jetzt noch ein weitere Beispiele vorstellen.

Mit der Aktion "Tempel / Gebäude errichten" kann man auch ein Gebäude auf dem Stadtplan errichten. Insgesamt gibt es 12 verschiedene Gebäude, die in der Stadt errichtet werden können. Jedes hat seine speziellen Vorteile, die jede erdenkliche Strategie unterstützen.
Im unteren Beispiel entscheidet sich der Spieler für die Errichtung eines Observatoriums. Dafür muss der Spieler einen schwarzen Rohstoff abgeben. Er erhält dafür 3 Siegpunkte und der Sonnenmarker darf um drei Felder bewegt werden.

Bau des Observatoriums
Der Sonnenmarker auf Feld 5
Nun dürfte der Spieler die Sonne um 5 Felder vorwärts bewegen. Dies ist sinnvoll, denn für jede Umrundung der Landmasse erhält der Spieler 5 Siegpunkte.

5 Punkte in den Sack
So kann sich die Stadt nach und nach entwickeln.

Eine entwickelte Stadt
Aber warum ist denn die Sonne noch wichtig? Bescheint die Sonne leere Landschaftsfelder, wachsen neue Rohstoffe nach.
Die Sonne bescheint leere Landschaftsfelder
Nachgewachsene Rohstoffe
Am Ende gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Ganz einfach!


Meine Meinung

"Helios" hatte mit ziemlich hohen Erwartungen meinerseits zu kämpfen gehabt. Denn die verlagsinternen Vorgänger "Russian Railroads" und "Brügge" zählen zu meinen absoluten Favoriten der letzten Jahre. Leider kann "Helios" da nicht ganz anknüpfen.
Das Spiel ist solide, hat einfache Mechanismen, tolles Artwork und fast ausnahmslos gelungenes Material. Aber irgendwie will der Funke nicht ganz überspringen bei mir. Das Thema ist sehr dünn, aber hier stört es mich doch etwas mehr, als es das bei "Russian Railroads" tat. Ihr baut hier farbige Ländereien, errichtet weiße Gebäude und lasst eine gelbe Sonne darum kreisen. Auf den ersten Blick doch sehr thematisch, aber man könnte das Spiel auch sehr gut vom Thema befreien und das ganze als abstrakte Version nochmal veröffentlichen. Es wäre fast das gleiche Spiel.
Natürlich ist das bei den so genannten Eurogames immer etwas schwierig mit dem Thema und man könnte herrlich darüber diskutieren, was ich hier aber nicht machen will.
Ein weiterer Punkt ist, dass jeder mehr oder weniger für sich alleine hinbaut und immer nur seine beiden Tableaus im Blick hat. Die einzige Interaktion, die zwischen den Spielern herrscht ist, das Wegschnappen der entsprechenden Aktionsplättchen. Aber das ist auch nur ein kleines Ärgernis, denn meist liegen sowieso immer mehr oder weniger passende Plättchen aus. Man muss sich dort nur sehr wenig an die Mitspieler anpassen.
Man baut und optimiert sein eigenes Spiel und beeinflusst kaum die anderen Spieler oder wird beeinflusst. Es gibt sicherlich auch genügend Spieler, die solche Spiele mögen, aber hier ist mir die Interaktion und das Multiplayer-Solitär doch sehr stark ausgeprägt.
Zudem drückt die kurze Spieldauer mir etwas zu stark auf den Spielspaß. Denn man hat sich gerade etwas aufgebaut und die optimierte Maschine beginnt richtig zu laufen; dann endet das Spiel. Man hat einen ziemlichen Druck alles fertig zu bekommen. Manchmal gelingt das auch nicht und das Spiel gleitet ins frustige ab. Sicherlich ist das ein Teil des Spieldesigns, aber mich hat es doch sehr gestört. Ich mag Spiele, bei denen einem die Zeit im Nacken sitzt, aber hier ist mir das zu stark ausgeprägt. Vielleicht hätte dem Spiel 1-2 mehr Durchgänge gut getan.
Mit "Helios" hat Hans im Glück ein Spiel geschaffen was auffällt. Alleine schon die gelbe Schachtel sticht wohltuend aus dem Spieleregal hervor. Zusätzlich lässt der Name und das unverbrauchte Thema aufhorchen, aber hinter dem Spiel versteckt sich ein sehr gut verzahntes, solides Spiel. Leider konnte das Spiel bei mir nicht vollends überzeugen.

Vielen Dank an Hans im Glück für das Rezensionsexemplar.

Follow me @Twitter / Facebook



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen