2. September 2014

Madeira - Gilden, Würfel und Piraten


"Madeira" war auf der Spiel 13 in Essen eines der Highlights. Der Stand war immer voll, es war kaum ein Tisch zu bekommen; in der Spielbox wurde kurz vor der Messe bereits eine perfekte 10 vergeben. Das Spiel scheint also beliebt zu sein. Aber ist es auch was für mich? Was für ein Spiel haben der What's your Game-Verlag und die beiden Autoren Paulo Soledade und Nuno Bizarro Sentiero da fabriziert? Ich kann nur sagen, dass ich mit meinem bisherigen Blogkonzept bei diesem Spiel an meine Grenzen stoße. Warum? Später!


Worum geht es in "Madeira"?

In "Madeira" wollen die gleichnamige Insel und deren Nachbarinseln abgeholzt und ausgebaut werden. Dafür hat die Krone von Portugal einige Aufträge eröffnet. Diese Aufträge umfassen die Stadtentwicklung, den Aufbau von Handelsrouten, dem Besuch von Kolonien usw.
Ihr benutzt Würfel und Arbeiter zum Aktivieren von Charakteren, Gebäuden und Regionen. Dabei können Euch auch die Piraten helfen, aber das ist gefährlich und kann im späteren Spielverlauf auch zu vielen Minuspunkten führen.
In diesem Spiel ist viel zu beachten und es gibt meist viel zu wenig von allem. Und natürlich müssen Eure Arbeiter und Schiffe ebenfalls versorgt werden.
"Madeira" wird über fünf Runden gespielt und der Spieler, der die meisten Siegpunkte ansammeln konnte ist der Gewinner.


Die Spielschachtel
Die Rückseite
Die Spielinformationen

Was steckt in "Madeira?"
  • 1 Spielplan
  • 2 Gildenpläne (einer für das Spiel mit 4 Spielern, der andere für das Spiel mit 2 oder 3 Spielern)
  • 12 Gildenwürfel
  • 3 Piratenwürfel
  • 3 neutrale Bürger
  • 48 Arbeiter
    • je 12 in den 4 Spielerfarben
  • 24 Schiffe
    • je 6 in den 4 Spielerfarben
  • 12 Zählscheiben
    • je 3 in den 4 Spielerfarben
  • 12 quadratische Aktionsmarker
    • je 3 in den 4 Spielerfarben
  • 4 Charakterplättchen
  • 2 Rundenübersichtsblätter
  • 20 Aufträge der Krone
  • 4 Start-Aufträge der Krone
  • 72 Waren
    • je 20 im Wert 1 für Weizen, Zucker, und Wein
    • je 4 im Wert von 3
  • 40 Holz
  • 24 Brot
  • 12 Gildengünste mit den 4 Gildenwappen
  • 8 königliche Belohnungen
  • 40 Piraten mit den Werten 1, 3, 6 und 12
  • 40 Real-Münzen mit den Werten 1,3 und 5
  • 1 Spielanleitung, jeweils in deutsch und englisch
  • 1 Referenzblatt, jeweils in deutsch und englisch

Das Spielmaterial
Dem Spiel liegt einiges an Material bei. Dicke Pappe und viel Holzteile. Zusätzlich haben die Gilden- und Piratenwürfel eine super Qualität. Da hat sich der Verlag echt ins Zeug gelegt.
Positiv ist auch anzumerken, dass dem Spiel die eigentliche Anleitung und das Referenzblatt in zwei Sprachen beiliegen. Das freut den internationalen Markt, da das Spiel sprachunabhängig daherkommt.

Die Spielanleitung & Referenzblätter
Die Spielanleitung
Das Referenzblatt
Die Holzteile
Die Gilden- und Piratenwürfel
Die Warenplättchen
Die Real-Münzen
Die Piraten-Chips
Die Rundenübersichtsblätter
Auf den Rundenübersichtblättern wird der Spielablauf mit Piktogrammen dargestellt. Anfangs wirkt das sehr verwirrend, aber nach einigen Runden hat man den Spielablauf verinnerlicht und kann auch mit den Symbolen etwas anfangen.
Etwas schade finde ich, dass dem Spiel nur zwei Übersichten beiliegen. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn man auf vier Exemplare aufgestockt hätte. 

Die Gildenpläne
Die Gildengünste
Im Spielverlauf kann man diese Gildengünste erwerben. Diese bieten bei Aktivierung verschiedenste Boni an.

Die Rückseite der Aufträge der Krone
Pro Spieleranzahl kommen nur eine bestimmte Anzahl von den Aufträgen der Krone zum Einsatz. Dieses wird durch die Symbole auf der Rückseite angezeigt. 

Die Startaufträge der Krone
Die Aufträge der Krone
Der Spielplan
Die drei Stadtbereiche
Der Bereich der Handelsrouten
Der Koloniebereich
Einer der Inselbereich
Der Mühlenbereich

Wie funktioniert "Madeira"?

Ich habe oben bereits erwähnt, dass ich bei mit "Madeira" an die Grenzen dieses Blogs schlage. Das Spiel ist so vielschichtig und es gibt so viele Abläufe, die ich hier nur sehr schwer darstellen kann. Daher habe ich mich entschlossen nur einen sehr groben Abriss über den Spielablauf zu geben. Wer sich dann noch weiterinformieren möchte, den verweise ich einfach auf die vielen ausführlichen Erklärvideos bei Youtube.

Zuerst erhält jeder Spieler seine Holzteile, 1 Weizen, 1 Zucker, 1 Wein, 1 Holz und vier Brote. Als Startkapital dienen 5 Real.
Jetzt wird jeweils 1 Marker auf die Zählleiste und ein Marker auf Feld 3 der Mühle gelegt. 

Die Startsituation in der Mühle
Die Städte werden mit den Gildengünsten und pro Stadt mit einem neutralen Spieler gefüllt. Danach der jeder Spieler eine seiner Figuren auf einem freien Platz in der Stadt setzen.

Die Startsituation in den Städten
Jeder Spieler platziert zwei seiner Figuren in der Stadtwache. Danach werden die Piratenwürfel geworfen und ebenfalls dort abgelegt.

Die Startsituation in der Stadtwache
Danach werden die Charakterplättchen auf den entsprechenden Gebäuden platziert.

Ein Charakterplättchen auf einem Gebäude
Pro Runde bleibt immer ein Gebäude unbesetzt. Dieses wird durch die römische Ziffer angegeben. Dadurch kann man auch immer sehr gut erkennen in welcher Spielrunde man sich befindet. Insgessamt werden fünf Spielrunden gespielt.

Das freie Gebäude in Runde 1
Die Aufträge der Krone werden zufällig auf dem Gildenplan gelegt. Zusätzlich werden die Startaufträge vergeben. Der Spieler mit den meisten Kronen wird der Startspieler und erhält 2 Real zusätzlich. Der Spieler mit den zweitmeisten Kronen wird zweiter und erhält 3 Real usw.

Die Startsituation auf den Gildenplänen
Die Aufträge mit den Rückseiten A und B werden auf den Kolonien verteilt.

Die Startsituation in den Kolonien
Danach werden einige Felder auf dem Spielplan noch mit Holzplättchen versehen. Dieses Holz muss im späteren Spielverlauf abgeerntet werden.

Holzlättchen auf dem Spielplan
Die Gildenwürfel werden gewürfelt und werden auf dem Gildenplan gelegt. Dabei darf der Würfelwert nicht verändert werden.
Jetzt kann das Spiel auf schon losgehen. Diese ganze Aufbauprozedur ist in der Anleitung auf vier Seiten beschrieben und man sollte sich auch an diese Reihenfolge halten, da sich sonst schnell Fehler einschleichen.

Die Gildenwürfel auf dem Gildenplan
Der Spielablauf unterteilt sich in in 5 Phasen. Die ich hier nur ganz kurz anreißen werde.

Phase A: Rundenvorbereitung
In dieser Phase werden die Charakterplättchen neu auf den Gebäuden verteilt und die Gilden- und Piratenwürfel neu gewürfelt.
Jeder Spieler wählt eine Reihe auf der Würfel-Spalte des Gildenplans und bewegt seine Spielerscheibe dorthin. Jetzt darf er die entsprechenden Würfel und einen Auftrag der Krone nehmen. Zusätzlich darf er die entsprechenden Gildengünste umdrehen, falls der Spieler welche besitzt.

Der Spieler entscheidet sich für Gildenwürfel
Phase B: Charakter-Aktionen
In dieser Phase darf jeder Spieler entweder einen Würfel auf einem Charakter platzieren oder der Spieler passt und setzt seine Zählscheibe auf ein leeres Feld in der Passen-Spalte des Gildenplans und führt dort die entsprechende Aktion durch.
Falls er sich für die Charakter-Aktion entschieden hat, darf er diese oder eine Ernte ausführen.
Dabei ist zu beachten, dass der Würfelwert die Region bestimmt. Ein Würfel mit einer 3 darf in jeder Region eingesetzt werden. Ein Würfel mit einer 2 nur in den Region 1 und 2 usw. Man kann allerdings die entsprechende Region durch das Zahlen von Brot anpassen.

Ein Charakter wurde aktiviert 
Phase C: Gebäude-Aktionen
Alle Gebäude werden nacheinander ausgewertet. Dazu werden alle Würfel, die auf den Charakter liegen gewürfelt. Dadurch ergeben sich die Kosten, die die Aktivierung des Gebäudes kostet. In Spielerreihenfolge kann dann jeder Spieler, der einen Aktionsmarker auf dem Gebäude liegen hat entweder die Kosten zahlen und die entsprechende Aktion durchführen oder er erhält einen Piraten, falls er die Gebäudekosten nicht zahlen kann.

Die ausgewürfelten Gebäudekosten
Die Gebäudekosten
Phase D: Versorgung
In dieser Phase müssen die Arbeiter versorgt werden, die Schiffe mit Holz repariert werden, Waren aus den Kolonien eingesammelt werden.

Phase E: Die Aufträge der Krone
In jeder ungeraden Runde kann jeder Spieler die Aufträge der Krone erfüllen, um Siegpunkte zu erhalten. In den geraden Spielrunden ändern sich manche Rohstofffelder auf dem Spielplan.


Man darf auch Piratenwürfel platzieren. Dafür muss man einen Würfel und einen seiner Arbeiter aus der Stadtwache entfernen. Dieser Würfel wird dann, genau wie die Gildenwürfel, auf den Charakteren platziert. Der Spieler erhält dann allerdings kein Aktionsmarker. Sind keine eigenen Arbeiter mehr in der Stadtwache, darf man auch keinen Piratenwürfel nehmen.

Die Stadtwache
Ein platzierter Piratenwürfel
In Phase B gibt es für die Spieler die Möglichkeit eine Ernte in den entsprechenden Regionen durchzuführen. Für jeden Arbeiter auf den Erntefelder der Region darf er sich entweder 1 Holz (falls vorhanden) oder eine Ware der entsprechende Sorte nehmen.

Ernten in den entsprechenden Bereichen
Ein Schiff auf einer Handelsroute
Der Stadtausbau schreitet voran
Spielende
Nach dem Ende der fünften Runde wandeln alle Spieler ihre Waren, Holz und Brot in je 1 Real um. Pro 5 Real erhalten sie einen Siegpunkt. Der Spieler mit den meisten Piraten verliert 16 Siegpunkt, der mit den zweitmeisten 8 usw. Spieler mit mehr als 20 Piraten verlieren zusätzlich 1 Siegpunkt je 1 Pirat über 20 Punkte. 
Der Spieler mit den meisten Siegpunkte ist natürlich der Gewinner. 



Was denke ich über "Madeira"?

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich mit "Madeira" an die Grenzen dieses Blogs gestoßen bin. Aber nicht nur darstellerisch, sondern auch für mich persönlich. Denn ich bin mit diesem Spiel an die Grenze meiner Aufnahmefähigkeit gekommen. Hier gibt es so viele Mechanismen und Rädchen, die ineinandergreifen, dass es für mich ganz persönlich einfach zu viel war.
Alleine vom Spielaufbau kann man schon erschlagen werden. Das Spielbrett ist ziemlich voll mit Symbolen und unterschiedlichen Spielbereichen. Ja, es ergibt alles nach ein oder zwei Partien einen Sinn, aber auf den ersten Eindruck... uff. Die Symbole sind alle sehr gut zu verstehen und sollten die wenigsten Spieler vor kein größeren Probleme stellen, aber es sind halt viele, sehr viele.
Das Spiel lässt viel Platz für verschiedene Strategien, allerdings sollte man die Aufträge der Krone auf keinen Fall außer acht lassen, denn die bringen viele Punkte ein und sorgen auch, dass der Spieler etwas geleitet wird. Aber irgendwie ist die Führung durch die Aufträge nicht genug und oft genug verliert man sich in dem Spiel und schafft es nicht diese Aufträge im Auge zu behalten. Es fehlt mir daher etwas der rote Faden und vielleicht wären weniger Bereiche auf dem Spielplan besser gewesen, um die Spieler etwas mehr zu führen.
Manchmal drücken die Probleme im Spiel schon sehr. Es fehlt oft an allen Ecken und Enden. Wo bekomme ich das Holz her, wie ernähre ich meine Arbeiter und dann fehlt wieder Geld und die Piraten stehen schon bereit, um mich auch wieder zu ärgern.
Positiv möchte ich nochmal herausheben, dass es Mechanismen gibt, die thematisch toll umgesetzt sind. "Madeira" bedeutet und portugiesischen soviel wie "Holz" und daher spielt der Holzabbau auch hier eine tragende Rolle. Im Spielverlauf verändert sich sogar das Erscheinungsbild der Insel, nachdem die ganzen Holzfelder abgeerntet wurden und auf den neuen Flächen anderen Pflanzen wachsen.
"Madeira" will erarbeitet werden und ist absolut kein Spiel für Wenig-Spieler. Es ist ein knallhartes Vielspieler-Spiel, dass sich erst nach einigen Partien vollends öffnet und erschließen lässt. Ich denke auch, dass es viele Spieler gibt, die genau so etwas suchen, allerdings ist es nichts für mich.

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Kommentare:

  1. Genau so denke ich auch, ein tolles Spiel, das aber erschlägt...

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  2. Wow, die Kamera macht wirklich gute Bilder! Evtl. muss ich dich in Essen anheuern...

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    1. Ja, langsam gewöhne ich mich an das Ding und die Qualität de Bilder steigt auch, hoffe ich.

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